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Erzbistum München und Freising stellt 5 Millionen Euro für Flüchtlinge bereit

Erzbistum München und Freising stellt 5 Millionen Euro für Flüchtlinge bereit

Zahlreiche Gläubige, kirchliche Einrichtungen und katholische Verbände unterstützen Asylsuchende
Für eine Willkommenskultur gegenüber Menschen auf der Flucht
München, 16. Dezember 2014. Mit einem Sonderbudget von 5 Millionen Euro für das Jahr 2015 weitet das Erzbistum München und Freising sein Engagement für Flüchtlinge aus. Entsprechend einem am Dienstag, 16. Dezember, verabschiedeten Konzept verstärkt das Erzbistum seine Anstrengungen, eine umfassende Betreuung und Unterstützung für Menschen auf der Flucht zu leisten, das kirchliche, häufig ehrenamtliche Engagement vor Ort zu fördern und möglichst viele Unterkünfte zu schaffen. Im Besonderen sollen die Mittel für Modellprojekte, psychologische und therapeutische Hilfen, Bildungs- und Qualifizierungsangebote für Flüchtlinge wie ehrenamtliche Unterstützer und konkrete Hilfen etwa für Schwangere sowie Sachmittel verwendet werden.

Derzeit stellt das Erzbistum in 37 kirchlichen Objekten Wohnraum für knapp 700 Flüchtlinge bereit. Zahlreiche weitere Objekte befinden sich noch in der Prüfung. Im Kloster Beuerberg, Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen, sollen im sogenannten Josefsflügel auf einer Wohnfläche von 1300 Quadratmetern etwa 60 Flüchtlinge untergebracht werden. Aktuell wird der Renovierungsbedarf ermittelt sowie ein Betreuungskonzept entwickelt, das Modellcharakter haben soll. Neben der Unterkunft geht es vor allem um die Qualität der Unterstützung der Flüchtlinge und die Integration in das Gemeindeleben vor Ort.

Mit Aktionen wie dem Lebenden Adventskalender in der Pfarrkirche Heilig Geist am Münchner Viktualienmarkt (www.erzbistum-muenchen.de/lebender-adventskalender) wirbt die Erzdiözese zudem für eine Willkommenskultur für Flüchtlinge unter der Bevölkerung und ruft zu Spenden auf. Finanzielle Hilfe erhielten Flüchtlinge bereits in der Vergangenheit aus Erzbischöflichen Hilfsfonds, etwa aus dem Fonds für Schwangere und Mütter in Notsituationen oder dem Arbeitslosenhilfefonds.

Daneben unterstützen zahlreiche Gläubige, katholische Einrichtungen und Verbände Flüchtlinge im Gebiet des Erzbistums München und Freising. Einen großen Anteil hat das ehrenamtliche Engagement in den Pfarreien, wo in vielen Fällen bereits Helferkreise entstanden sind oder sich entwickeln. Der Diözesanrat der Katholiken hat im Internet eine „Landkarte der Solidarität – Christen helfen Flüchtlingen“ (www.erzbistum-muenchen.de/Dioezesanrat) eingerichtet, auf der Pfarreien ihre Projekte für Flüchtlinge verzeichnen und beschreiben können. Das Spektrum der individuellen Hilfen reicht von der Begleitung zu Behörden oder Ärzten über Kinderbetreuung und Sprachkurse bis zur Unterstützung bei der Suche nach einem Ausbildungs- oder Arbeitsplatz. Auch die gemeinschaftlichen Angebote sind umfangreich, so gibt es Programme für Kinder mit Malen und Basteln, Musizieren, Hilfe beim Lernen und Kennenlernen von Kultur und Lebenswelt. Unterstützt werden die Ehrenamtlichen vom Erzbischöflichen Ordinariat München und dem Caritasverband der Erzdiözese, die gemeinsam auch die Informationsbroschüre „Flüchtlinge und Asylbewerber begleiten und unterstützen“ herausgegeben haben. Darin werden unter anderem gesetzliche Regelungen zum Asyl in Deutschland erläutert, Hilfsmöglichkeiten für Ehrenamtliche aufgezeigt und die Kooperation mit hauptberuflichen Asylberatern beschrieben.

Der Caritasverband selbst betreut mit dem Alveni-Flüchtlingsdienst in der Stadt München und im Landkreis München etwa 1400 Flüchtlinge und Asylsuchende in Gemeinschafts- und dezentralen Unterkünften. Insgesamt 80 Mitarbeiter sind zuständig für soziale Beratung und Betreuung von Flüchtlingen und die Organisation der Hilfsmaßnahmen, unterstützt werden die hauptberuflich Mitarbeitenden von etwa 500 ehrenamtlich tätigen Frauen und Männer, die viele der Angebote in den Gemeinschaftsunterkünften erst möglich machen. Unter den in Münchner Unterkünften von der Caritas betreuten Flüchtlingen sind 500 Kinder, außerdem leben 50 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge im Alveni-Jugendhaus, einer Jugendhilfeeinrichtung im Münchner Norden. 30 jugendliche Flüchtlinge werden in einer Notunterkunft in der Lämmerstraße in München-Maxvorstadt betreut und begleitet. In mehreren Landkreisen in Oberbayern (Berchtesgadener Land, Dachau, Freising, Fürstenfeldbruck, Garmisch-Partenkirchen, Mühldorf, Pfaffenhofen, Rosenheim) leistet die Caritas im Auftrag und meist in enger Kooperation mit dem Landratsamt die Beratung und Betreuung der Asylbewerber. Hier werden insgesamt etwa 3000 Flüchtlinge und Asylsuchende in Gemeinschaftsunterkünften wie auch in dezentralen Unterkünften unterstützt. Caritas-Mitarbeiter stehen den Asylsuchenden bei der Bewältigung des Alltags zur Seite, vermitteln Sprachkurse und Arbeit sowie Schul- und Betreuungsplätze für Kinder und unterstützen das ehrenamtliche Engagement. In Pfarreien und Gemeinden sind an die 1000 Frauen und Männer ehrenamtlich tätig. In den vergangenen Monaten hat der Diözesan-Caritasverband auch drei eigene Gebäude für die Unterbringung von Flüchtlingen bereitgestellt. In Garmisch-Partenkirchen leben seit September etwa 40 Flüchtlinge im ehemaligen Kreiskrankenhaus, das bis vor drei Jahren als Altenheim genutzt wurde. In Germering wird der im September stillgelegte Teil des Altenheims Don Bosco als Notunterkunft für Flüchtlinge genutzt, die nicht in der Erstaufnahme-Einrichtung in Fürstenfeldbruck unterkommen können. Seit Ende November dient der nicht mehr genutzte Teil des Altenheims St. Felicitas in Bischofswiesen, Landkreis Berchtesgadener Land, als erste Auffangstelle für bis zu 30 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Um den Eigenanteil für den personellen Mehrbedarf in der Flüchtlingsarbeit decken zu können, hat das Erzbischöfliche Ordinariat der Caritas für die drei kommenden Jahre insgesamt 540.000 Euro zur Verfügung gestellt. Öffentliche Zuschüsse kommen vom Sozialministerium, von den Kommunen und den Landratsämtern.

Einen großen Bereich der kirchlichen Unterstützung von Flüchtlingen nimmt die Hilfe für Jugendliche und unbegleitete Minderjährige ein. Der Katholische Verband für Mädchen- und Frauensozialarbeit IN VIA München unterstützt junge Flüchtlinge in vielfältiger Weise vor allem beim Lernen und beim Übergang von der Schule zur Ausbildung. Im Rahmen des Programms „Auf dem Weg in den Beruf“ (WIB) begleiten die IN VIA-Mitarbeiter Mädchen vom erfolgreichen Schulabschluss bis zur abgeschlossenen Berufsausbildung mit individueller Beratung und regelmäßigen Austauschtreffen, ausbildungsspezifischen Hilfen, Kontakt zum Ausbildungsbetrieb und zur Berufsschule, einem branchenspezifischen Deutschunterricht und Mathematiklernhilfe. Mit „Connect“ bietet IN VIA jungen Flüchtlingen im Alter von zwölf bis 27 Jahren in der Goethestraße in München eine internationale Bildungs-, Freizeit- und Kultureinrichtung. Stark genutzt wird insbesondere das Angebot der „LernConnection“, die die Flüchtlinge in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch unterstützt. Schließlich fördert IN VIA mit der Aktion „Junge MigrantInnen als Lotsen“ (JuMiLo) auch das ehrenamtliche Engagement junger Flüchtlinge.

Die Katholische Jugendfürsorge der Erzdiözese unterstützt unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, indem sie Vormundschaften übernimmt und Unterkünfte bereitstellt. Mit dem Stadtjugendamt München sind Vormundschaften für 30 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge beginnend mit 2015 vereinbart. In Ebersberg bestehen bereits 14 Vormundschaften, 19 weitere sollen zum Jahreswechsel hinzukommen. Im Adelgundenheim, dem Erziehungshilfezentrum der Jugendfürsorge in München-Au, sind derzeit 18 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, im Clemens-Maria-Kinderheim in Putzbrunn neun Jugendliche untergebracht. Im Bereich Sozialpädagogisch Betreutes Wohnen (SBW) unterstützt die Jugendfürsorge insgesamt 51 unbegleitete junge Flüchtlinge. Die in den verschiedenen Einrichtungen der Jugendfürsorge betreuten Flüchtlinge kommen aus Ländern wie Syrien, Libyen, Afghanistan, Nigeria, Eritrea, Somalia, Senegal, China oder Myanmar.

Mit insgesamt 174 Vormundschaften zählt das Katholische Jugendsozialwerk München (KJSW) zu den Einrichtungen, die stark im Bereich Vormundschaften für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Deutschland engagiert sind. Untergebracht sind die Minderjährigen unter anderem im Jugendwohn- und Gästehaus München-Nord des KJSW in Milbertshofen, geplant sind weitere Wohnheimplätze für junge Flüchtlinge in Landshut und Straubing.

Auch der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) in der Erzdiözese München und Freising nimmt sich insbesondere der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge an. Im Fachdienst „Vormundschaften/Pflegschaften“ wurden dazu zwei zusätzliche Stellen geschaffen. Der SkF steht auch in engem Kontakt mit dem Jugendamt der Stadt München und hat die Bereitschaft erklärt, bei Bedarf ein Angebot „Frühe Hilfen für Flüchtlingsfamilien“ aufzubauen sowie im Verbund mit anderen Trägern eine Erstaufnahmeeinrichtung speziell für minderjährige Mädchen auf der Flucht zu eröffnen. Bestehende Einrichtungen und Fachdienste wie die Mutter-Kind-Häuser des SkF in München, das Sozialpädagogisch Betreute Wohnen (SBW) sowie die Heilpädagogischen Wohngruppen für Mädchen nehmen laufend weibliche Flüchtlinge auf. Auch in den Beratungsstellen für Schwangere und junge Familien in München und Oberbayern werden zunehmend mehr Flüchtlingsfamilien betreut und beraten.

Bereits seit 2009 bietet die Ordensgemeinschaft der Salesianer Don Boscos im Erzbistum Hilfen für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge an. Im Salesianum in München wurde damals mit dem Projekt „LIFE“ eine Wohngruppe für elf männliche Jugendliche eingerichtet. Insgesamt werden derzeit rund 30 junge Flüchtlinge im Salesianum betreut, 22 von ihnen leben in zwei Wohngruppen. Weitere acht inzwischen Volljährige befinden sich in Ausbildung, leben in Jugendwohngruppen des Hauses und werden hier ganzheitlich begleitet. Im Berufsbildungswerk Aschau-Waldwinkel (BBW), Landkreis Mühldorf am Inn, der Salesianer gibt es seit 2012 Angebote für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. 33 junge Flüchtlinge leben derzeit in drei heilpädagogischen Wohngruppen des BBW. Weitere 19 Jugendliche sind dort in einer Verselbständigungswohngruppe oder im Betreuten Wohnen untergebracht. Im Don Bosco Jugendwerk Mettenheim, Landkreis Mühldorf am Inn, werden zwölf junge Flüchtlinge betreut. (ck)